„Wirklich schön so ein Leben auf Achse. Längere Reisen sind für mich leider kaum möglich. Wegen meines Jobs muss ich immer in der Nähe bleiben. Wenn ich aber irgendwann einmal die Zeit habe, dann lege ich mir wohl auch wieder ein Wohnmobil zu“, versuche ich das Gespräch zu beenden und lege mir innerlich schon eine nette Geschichte über meinen Beruf zurecht. Doch Simon geht auf diesen Part gar nicht ein. „Mensch Bernd! Hast Du ein Glück! Wir verkaufen gerade unseren Wohnwagen. Der steht hier ganz in der Nähe auf dem Campingplatz ‚Zur Waldwiese‘. Das wäre doch dann etwas für Dich!“ – Simon kann sich kaum mehr halten vor Begeisterung. Er preist mir seinen Wagen an wie ein Vater, der seine letzte Tochter unter die Haube bringen will. Bei der Begeisterung bin ich mir aber nicht sicher, ob der Vater die Tochter lieber selber heiraten würde, oder ob die Tochter schon aus dem besten Alter heraus ist. Egal – die Situation hat sich gerade zu meinem Vorteil entwickelt. Für die nächsten Wochen kann ich in Simons Wohnwagen unterkommen. Der Campingplatz liegt vom Elektromarkt nicht weiter weg, als meine jetzige Wohnung und die Kosten liegen deutlich unter meinem Mietanteil. Bis ich etwas Neues gefunden habe, ist das auf jeden Fall eine Alternative. Vielleicht habe ich ja noch einmal Glück und der Wohnwagen entpuppt sich als Anlage mit hohem Wiederverkaufswert. Solch eine Chance muss man beim Schopfe packen, denke ich mir.
Nachdem Simon in mir einen Camperkollegen gefunden hat, begießen wir den möglichen Verkauf mit ein paar Bier. Am Abend noch haben wir uns über Preis und die Übergabe geeinigt und schon morgen kann ich den Schlüssel zu meiner neuen Unterkunft abholen. Ha, da wird Svenja Augen machen. Die hat sich sicher gedacht ich komme irgendwann angekrochen und bitte auf Knien um Vergebung um wieder bei ihr wohnen zu dürfen.
Als ich in unsere Wohnung komme, kann ich mir ein Grinsen kaum verkneifen. Leider ist Svenja nicht da. Wohl bei einer Freundin oder im Kino. Das kommt mir natürlich sehr gelegen – dann habe ich schon heute meine Ruhe und kann meine Sachen zusammen packen. Ich habe keine Lust auf weiteren Ärger und Erklärungen wo ich denn hin will. Also packe ich alle Umzugskisten, in die ich meine Kleider sowie ein paar Erinnerungsstücke und so gut wie alle Lebensmittel aus dem Vorratsschrank getopft habe, in mein Auto und fahre zu meiner Stammkneipe in die Stadt.
Ich betrete Anja’s Pilseck, eine typische Einraumkneipe – wie das heute genannt wird – in der Altstadt. Schummriges Licht, Zigarettendunst und das blinken der Dart-Automaten geben dem „Eck“ seine besondere Atmosphäre. Ich setze mich an die Bar und bestelle ein Pils. Eigentlich wollte ich noch etwas zu Essen bestellen, aber als es um die Frage Raucherkneipe oder Essenskneipe ging hat, sich Wolle unser Wirt für das Rauchen entschieden. Nun gibt es nur noch Tiefkühlpizza bei der man nicht feststellen kann, ob man die Verpackung oder den Inhalt isst. Ich verzichte also aufs Essen und bediene mich an den Erdnüssen und Salzstangen. Davon wird man auch irgendwann satt.